Gefäß-Objekte

Ein Gefäß ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Behältnis zur Aufbewahrung von Gegenständen oder Flüssigkeiten. Solche Gefäße habe ich in meiner Laufbahn als Keramiker schon viele hergestellt. „Gefäß“ beschreibt für meine neuen Arbeiten lediglich die formale Identität im Prozess der Herstellung von umschlossenen Raum. Die „Gefäße“ sind nicht geschaffen, um Gegenständliches aufzubewahren. Sie haben sich komplett von ihrer Gegenständlichkeit gelöst, abstrahieren sich zu etwas Neuem und ziehen ihre Daseinsberechtigung allein aus ihrer Präsenz.

Ich verwende zur Herstellung meiner Skulpturen-Gefäße die traditionelle keramische Drehtechnik. Aus mehreren rotationssymetrischen Hohlkörpern werden zwei- oder mehrteilige Elemente gebaut. Durch einen besonderen Trocknungsprozess pumpen sich die Körper voll Luft und erfahren dabei ihre maximale Straffung. Alle Objekte werden farbig behandelt und geritzt, was ihnen eine besondere Haptik verleiht. Die sinnliche Erfahrung der Herstellung solcher Körper überträgt sich auf den Betrachter.


Die Objekte wirken lebendig. Die Intensität der farbig leuchtenden Oberflächen, die durch die Sgraffitto-Textur kaum spürbar gebrochen wird, überzieht die Oberfläche wie eine Haut. Die Objekte fangen den Blick, kriechen die Wand hoch oder kauern sich in einmaliger Setzung oder serieller Variation am Boden. In diesem Spannungsfeld zwischen materiellem, plastischen Objekt und ungreifbarer Idee wird der Prozess der Wahrnehmung unvermittelt zu einer komplexen, sinnlichen Erfahrung. Der Betrachter geht durch die ausgelösten emotionalen Assoziationen unmittelbar eine persönliche Beziehung zum Werk ein.